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Teil 1

Mein Weg in die Magersucht

Ab meinem 10 Lebensjahr war ich übergewichtig.

Meine Eltern steckten mich ab der 5. Klasse auf eine Privatschule, sie meinten es nur gut und wollten nur das Beste für mich, ob es eine falsche Entscheidung war kann ich heute nicht sagen, ich denke zwar nicht, aber diese Zeit spielt eine entscheidende Rolle für mein jetziges Leben…

Zuerst war ich sehr froh, dass es mir meine Eltern ermöglichten auf so eine Schule gehen zu können. Wir mussten echt an allen Ecken und Kanten sparen um das Schulgeld zusammen zubekommen.

Doch sehr bald verlor ich den Kontakt zu fast allen Freunden in meiner Heimatstadt, sie dachten ich fühle mich als etwas besseres, außerdem hatte ich kaum noch Zeit, da ich immer erst gegen 17.00h aus der Schule kam und dann noch eine Menge lernen musste…

In meiner neuen Schule kam ich jedoch gut klar, ich habe mich mit allen super verstanden, hatte gute Noten und bin gern dorthin gegangen…

Mein Gewicht ging jedoch in den ersten zwei-3 Jahren steil nach oben… erst zu Hause frühstücken, dann in der Schule…Mittag in der Schule und dann um 17.00h nochmal zu Hause…19.00h schon wieder Abendbrot und später bei den Hausaufgaben noch eine Tüte Chips usw.

Zuerst hat mich mein Gewicht kaum gestört, aber als mich meine erste große Liebe extrem gehänselt hat, verletzte mich das sehr und ich wollte unbedingt abnehmen…

Die ersten Diäten gingen schief und ich fiel immer wieder in mein altes Essverhalten zurück, aber irgendwann habe ich es geschafft meine Ernährung umzustellen. Also gesünder zu Essen… Mageres Fleisch anstatt fettiges, Obst als Zwischenmahlzeit anstatt Süßes und Chips und immer feste Mahlzeiten…

So hat es zwar länger gedauert, aber ich habe gesund und ohne zu Hungern abgenommen.

Mit ca. 13 ½ hatte ich dann endlich wieder Normalgewicht, fühlte mich wohl in meiner Haut und ich habe gerne und gesund gegessen.

Eine Klassenfahrt hat alles verändert… Wir sind in ein anderes Land gefahren und mussten uns dort selbst versorgen. Es war alles total unhygienisch, das Essen stand die ganze Woche offen rum, da der Kühlschrank zu klein war. Dort habe ich mich richtig vor dem Essen geekelt und 9 Tage jeden Tag nur 3 Scheiben Knäckebrot und, wenn ich mal einen Supermarkt gefunden habe etwas Obst gegessen.

Als ich wieder zu Hause war kam der Schock: Ich hatte 7kg abgenommen, aber ich fand, dass ich noch genauso aussah, wie  vor der Fahrt.

Ich denke ab diesem Punkt habe ich die Kontrolle über meinen Gewichtsverlust verloren… habe immer mehr reduziert und angefangen Kalorien zu zählen.

Alles drehte sich um dieses Thema, was esse ich heute? Worauf habe ich Lust? Was darf ich nicht essen? Außerdem entwickelte ich Rituale, WIE ich etwas aß. Zum Beispiel aß ich jeden Morgen 2 Scheiben trockenes Knäckebrot indem ich die Scheiben in x winzig kleine Teile zerlegte und jedes Stückchen 20-25mal kaute. Das dauerte immer über eine Stunde.

Damals mischten sich meine Eltern ziemlich schnell ein und wollten mich zum Essen überreden… ich tat einfach so, als ob ich, das was sie mir vorsetzten in meinem Zimmer essen würde und kippte es später ins Klo oder schmiss es in der Stadt weg!

Das funktionierte erstaunlicher Weise echt gut und ich fühlte mich sicher.
Doch kurze Zeit später wurden meine Eltern zur Schule bestellt, der „Spaß“ war endgültig vorbei und die schlimmste Phase meines Lebens begann.

Der Umbruch!


Meine Eltern erzählten mir über das Gespräch in der Schule, dass ich eine Therapie machen muss, sonst würde ich von der Schule fliegen.
Ich glaubte Ihnen, obwohl es eine Lüge war, denn ich liebte meine Schule echt über alles…ja, das ist unvorstellbar!

Also besuchte ich zumindest zweimal, mit meinem damaligen Tiefstgewicht von 41kg den Psychologen für Essstören, welcher angeblich auf Kinder spezialisiert war... doch mir saß da ein fetter, unfreundlicher und einfach unsympathischer Mann gegenüber.
Er wollte wissen welcher Star mein Vorbild sei, also zu wem ich mich sozusagen durch das Hungern „verwandeln“ will. Ich sagte ihm, dass ich kein Vorbild habe, ich möchte ich bleiben nur eben dünner. Ich bekam als Antwort nur ein verächtliches Schnauben und vermute mal, dass er mir nicht glaubte.
Damals sah ich meine Krankheit, anders als heute wirklich nicht, ich sah mich immer noch dick und wollte unter keinen Umständen wieder zunehmen.
Deshalb hat es mir auch gar nichts gebracht, dass der Psychologe mir einfach BMI Tabellen, vor die Nase gehalten hat.
Nach der 1. Therapiestunde meinte der Typ ich sollte mir bis zum nächsten Termin überlegen, ob ich mit ihm „zusammenarbeiten will“.

„NIE IM LEBEN!!!“ Meine Eltern waren schwer geschockt, dass mich der Psychologe einfach so hat gehen lassen. Aber wie es mir scheint, hat der Typ einfach kein Bock auf nichteinsichtige schwer kranke Patienten, die sich nicht helfen lassen wollen und bockig sind!

Zu Hause zwangen mich meine Eltern VOR ihnen zu Essen.
Also musste ich mir schnell etwas einfallen lassen. Ich habe versucht mich nach dem Essen zu übergeben, aber erstens klappte es nicht wirklich und zweitens finde ich das Übergeben schon immer ganz schrecklich und widerlich!
Dann kam mir die bisher schlimmste Idee und Entscheidung meines Lebens!!! ABFÜHRMITTEL…

Mein Vater nahm diese regelmäßig, wir hatten immer welche im Haus und es viel nicht auf, wenn ich mir einige nahm.

VON ABFÜHRMITTELN NIMMT MANN NICHT AB, DAS ESSEN WIRD TROTZDEM VERDAUT, MAN VERLIERT NUR SEHR VIEL FLÜSSIGKEIT UND RUHINIERT AUF DAUER SEINEN DARM UND DIE NATÜRLICHE VERDAUNG!!!

Das war mir früher aber leider nicht bewusst!
Diese Zeit muss ich nicht so genau beschreiben, nur so viel:
Es waren höllische Schmerzen, die Dosis wurde immer und immer höher, weil ich so Panik vor dem Zunehmen hatte, aber ich nahm trotzdem sehr schnell zu.

Nach ein paar Monaten hatte ich fast 15kg wieder drauf, Normalgewicht, war aber total unglücklich!
Ich hatte das Gefühl versagt zu haben, die Anderen haben gewonnen und ich fühlte mich richtig fett.
Ich aß wieder fast normal und nahm nur noch einmal die Woche eine geringere Menge Abführtabletten, da mein Darm ohne nicht mehr „arbeiten“ wollte.
Habe immer wieder versucht zu Hungern, aber ich schaffte es nicht mehr, das machte mich schwer depressiv und ich habe angefangen mich zu hassen und zu ritzen, um mich selbst zu bestrafen.

Nach einiger Zeit schickten mich meinen Eltern wegen meinen Gefühlschwankungen und Wutausbrüchen zum Arzt. Er verschrieb mir Antidepressiva, die ich zuerst nicht nehmen wollte, da ich so „fett“ eh nicht glücklich sein wollte und die Dinger sehr viele miese Nebenwirkungen hatten.

Doch als ich sie dann doch mal testete, war ich begeistert…ich konnte endlich wieder schlafen wie ein Stein, aber meine Stimmung wurde auch nicht besser, genau das wollte ich ja.
Schnell erhöhte ich die Dosis, oft konnte ich nicht zu Schule, da ich nicht aus dem Bett kam oder ich schlief in der Schule ständig ein.
Außerdem hatte ich so ziemlich alle Nebenwirkungen, die angegeben waren: Mundtrockenheit, Darmträgheit (hatte ich zwar eh schon, wurde aber noch schlimmer), Sehverlust, Zittern usw.

Mit den Dingern hätte ich mich umbringen können, das wusste ich auch damals und fing an Tabletten zu sammeln…. Nur für den „Notfall“.

 

3.8.10 01:07
 



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